Ein großer Teil meiner bisherigen Forschungsarbeit dreht sich um die Frage, wie unbewusste Prozesse in Trainings- und Lernsituationen genutzt werden können. Daher gehe ich heute auf das Thema bewusste und unbewusste Ebene ein. Denn beide Ebenen haben einen großen Einfluss auf unser Leben und damit natürlich auf unsere Wünsche und Ziele.
 
Wenn Sie wissen möchten, wie Sie unbewusst etwas lernen und verändern können, müssen wir uns erst einmal mit dem Unterschied zwischen dem Bewusstsein, dem Vorbewusstsein, dem Unterbewusstsein und der unbewussten Ebene beschäftigen. Die bewusste Ebene ist recht einfach erklärt: Sie stecken sich aktiv ein Ziel oder treffen eine Entscheidung, die Sie auch als solche wahrnehmen.
 
Dann gibt es die sogenannte vorbewusste Ebene, die meist bereits dem Unterbewusstsein zugeordnet wird. Das ist der Bereich, in dem bewusste Entscheidungen, die Sie – teilweise schon vor langer Zeit – getroffen haben, noch parat sind und an die Sie sich noch erinnern können.
 
Zu guter Letzt gibt es noch die unbewusste Ebene. Diese wird jedoch häufig als Unterbewusstsein betitelt und damit missverstanden, denn aus neurowissenschaftlicher Sicht kann man heute sagen, dass wir auf diese Ebene keinen willentlichen, bewussten Zugriff haben. Das Unterbewusstsein wird als die Bewusstseinsebene definiert, deren Inhalte sehr selten und dann auch nur durch Reflexion bewusst gemacht werden können.
 
Wir sprechen hier von unbewussten Motiven. Motive, die uns antreiben, ohne dass wir wissen, um was es sich dabei genau handelt. Das Faszinierende ist, dass diese Motive schon vorgeburtlich sowie teilweise während und relativ kurze Zeit nach der Geburt geprägt werden. Persönlichkeitsmerkmale, die uns unser gesamtes Leben begleiten. Und häufig können wir diese Merkmale nicht einmal definieren. Wir „folgen“ inneren Motiven, ohne diese zu kennen.
 
Nun ist die Frage: Wie finden Sie heraus, was Ihre Persönlichkeitsmerkmale sind? Dafür benötigt man meiner Erfahrung nach ausgefeilte Methoden, die die bewusste Ebene ausschließen. Ein Beispiel: Meine Frau Simone analysiert die menschliche Stimme und erstellt darüber ein sehr präzises Persönlichkeitsprofil für ihre Klienten. Im Rahmen der Analyse wird ermittelt, wie häufig wir beim Sprechen welche Töne von uns geben. Nachdem den einzelnen Tönen wiederum gewisse Merkmale zugeordnet sind, kann eine solche Analyse sehr viel über unsere Persönlichkeitsmerkmale und damit auch über „verborgene“, unbewusste Motive verraten.
 
Ich persönlich glaube, dass Veränderungen in der tiefen unbewussten Ebene gar nicht möglich sind. Hierzu ein Beispiel aus meinem Leben: Es gibt einen bestimmten Ton, der zeichnet Menschen mit hohen kommunikativen Fähigkeiten und dem Hang zum Führen wollen aus. Bei mir ist dieser Ton im Stimmbild der präsenteste. Ich lebe in vielen Bereichen mit einem hohen Spaßfaktor und kann arbeite häufig in Bereichen, die mir gut liegen. Bildlich ausgedrückt könnte ich sagen, ich bin der Fisch im Wasser.
 
Auf der anderen Seite gibt es Menschen, deren sogenannter Grundton zum Beispiel für ausgeprägte mathematische und analytische Fähigkeiten steht. Wenn wir einen solchen Menschen auf die Bühne stellen, um ihn vor einigen tausend Menschen sprechen zu lassen, ist die Situation für ihn vermutlich nicht angenehm. Er wäre nicht in seinem Element. Kann er dagegen in einem ruhigen Raum konzentriert seinen Analysen und Berechnungen nachgehen, dann ist auch er der Fisch im Wasser, er ist in seinem Element.
 
Wenn ich tagelang in meinem Büro sitzen müsste, um mich kaufmännisch zu betätigen (diese Situation habe ich mehrmals erlebt), ist „unangenehmes Empfinden“ noch sehr höflich ausdrückt. Ich bin in diesem Lebensbereich völlig deplatziert.
 
Daher stellt sich die Frage, ob und inwieweit man sich gewisse Fähigkeiten antrainieren kann oder wie stark es Persönlichkeitsmerkmale bzw. unbewusste Motive sind, die uns antreiben und so mitbestimmen, wohin unser Weg uns führt, also zum Beispiel, welchem Beruf wir nachgehen. Heute bin ich der Meinung, dass zweiteres eine sehr viel stärkere Rolle spielt. Wenn ich meine Motive erkenne und meine Handlung dann darauf ausrichte und meine Fähigkeiten in genau dieser Richtung perfektioniere, werde ich fast schon automatisch zu einem sogenannten High-Performer.
 
Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei, darüber nachzudenken, was Ihre bewussten Ziele, vorbewussten Zwischenziele und Ideen sind, für die Sie sich entschieden haben. Und vielleicht erkennen Sie auch das eine oder andere unbewusste Motiv, auch wenn Sie es nicht wirklich greifen können. Doch Sie bemerken diese eine Richtung, in die Sie immer wieder von Geisterhand gezogen werden. Und vielleicht fällt Ihnen das eine oder andere Motiv ja auch plötzlich vor die Füße und Sie können es im Laufe Ihres Lebens bewusst erkennen.
 
Herzliche Grüße,
Ihr Josua Kohberg
 
PS: Informationen zur Stimmanalyse finden Sie unter https://www.glueckreich.de/stimmanalyse/.